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1873 - 2020: Die Handwerkerfamilie Müller auf dem Fehn


Der Uhrmacher SIMON IMMANUEL MÜLLER eröffnete im Herbst 1873 in der Rhauderwieke mit seiner Ehefrau Taalke das erste Uhrengeschäft auf dem Fehn. Das bescheidene Fehnhaus hatte noch kein Schaufenster. Der Uhrmacher war Handwerker, der Uhren herstellen konnte und Ersatzteile für Reparaturen selbst anfertigte. Da es weit und breit bis in den Hümmling keinen Uhrmacher gab, lieferte der Meister die Wanduhren selbst aus und hängte sie ordnungsgemäß auf. Standuhren gab es kaum, weil sie groß und teuer waren. Taschenuhren waren Schmuckstücke einschließlich der Bänder und Ketten. Sie wurden in der Familie geachtet und vererbt. Da alle Uhren anfangs noch Federn hatten, wurden diese mit einem kleinen Schlüssel gespannt. Wanduhren hatten Gewichte an Ketten, die für den genauen "Gang" der Uhren und das "Schlagen" sorgten. Es gab also für den Uhrmacher stets reichlich Arbeit.

1908 verlegte Simon Müller sein Geschäft in das Haus des Baumeisters Kluin am Untenende. Im Geschäftszentrum von Westrhauderfehn waren auch andere Produkte besser zu vermarkten, denn nun gab es auch ein Schaufenster. Neben Uhren sah man jetzt Schmuckstücke, Ringe, Ferngläser, Lupen und Brillen. Simon Müller starb schon 1910 62 jährig. Sohn Simon, der gelernte Uhrmacher, eröffnete im gleichen Jahr sein Geschäft im Rajen.

Taalke Müller führte das Geschäft ihres Mannes als "Uhrenfachgeschäft" weiter, wie im Adressbuch des Landkreises Leer von 1926 verzeichnet. Unterstützt wurde sie von ihrem Enkelsohn Gerhard Müller, der bei seinem Vater das Uhrmacherhandwerk erlernte und am 19. 2. 1923 die Gesellenprüfung bestand. Taalke hat aber auch selbst handwerkliche Fähigkeiten entwickelt und selbst Reparaturen durchgeführt, wie Zeitzeugen berichteten.

Nach dem frühen Tod von Gerhard, kurz vor Weihnachten 1929, übernahm sein Bruder Simon Emanuel mit seiner Frau Greta 1930 das Geschäft. Das Haus Kluin wurde vom Bauunternehmer Hinrich Vogelsang erworben. Die Familie Müller erwarb ein Grundstück in der Nähe des Verlaatshauses und ließ 1950 ein Wohn- und Geschäftshaus errichten, das später mehrfach erweitert und aufgestockt wurde. In dieser Zeit verlor das Uhrmacherhandwerk mehr und mehr an Attraktivität. Die große Zeit der Armbanduhren begann. Die Industrie entwickelte immer neue Möglichkeiten für die Herstellung billiger Uhren, für die sich Reparaturen kaum noch lohnten. Wie in der Nachbarschaft andere Handwerker, Blockmacher, Segelmacher, Schuhmacher, Stellmacher, Schneider, Blaufärber und andere ihre Geschäfte aufgeben oder sich neu orientieren mussten, begann auch für die Uhrmacher auf dem Fehn eine neue Zeit. Zwar wurden immer noch Uhren verkauft und ältere Uhren auch repariert, aber mit anderen Produkten mussten das Geld verdient werden.


Richard hatte das Handwerk noch gelernt, obwohl es kaum noch Lehrbetriebe gab, verdient wurde an Uhren wenig. Er und seine Frau Gesa, die Lehrerin war, gestalteten das Geschäft nach der Übernahme 1965 mehrfach um, um für die Kundschaft attraktiv zu bleiben. Ihren Söhnen konnten sie nicht mehr empfehlen, in der Tradition der Müller, das Uhrmacherhandwerk zu erlernen. Mit Ausgang des letzten Jahrhunderts war die Ära der Uhrmacherdynastie Müller in Westrhauderfehn beendet.


Als Sibo Müller 1999 das Geschäft seiner Eltern übernahm, war er Augenoptiker- und Hörgeräteakustikermeister. Er vergrößerte das Haus und gestaltete es so um, dass es für die neuen Praxen mit den modernen technischen Geräten optimal genutzt werden konnte. Sibo Müller bildet in seinem Betrieb, wie in allen guten Handwerksbetrieben auf dem Fehn, junge Menschen in ihrem Handwerk aus. Bisher wurden 7 neue Arbeitsplätze und 3 Ausbildungsplätze neu geschaffen, neun junge Rhauderfehner legten bisher ihre Gesellprüfungen ab oder wurden zur Kauffrau im Einzelhandel ausgebildet.

Qualität und Kompetenz ist durch die ISO 9000 sowie 5 Meistertitel gesichert: zwei Akustikermeister, zwei Augenopikermeister und ein Uhrmachermeister. Zwei Mitarbeiterinnen sichern als Kauffrauen für Uhren und Schmuck in diesem Bereich die Fachkompetenz. Ingesamt 10 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen SIBO Müller.


Ständige Fortbildung gehört zur Firmenphilosopie: so werden zur Zeit zwei langjährige Mitarbeiterinnen zu Fachkräften im Bereich Augenoptik ausgebildet. Der Gedanke der ständigen Fortbildung sicherte dem Unternehmen seit 140 Jahren die Zukunft.

Und dieser Gedanke ergibt viele Spezialisierungen, die in ihrer Ganzheit ihresgleichen suchen, z.B. im Bereich der auditiven und visuellen Wahrnehmungsstörung bei Kindern und Erwachsenen oder bei der Beratung und Versorgung von Sehbehinderten, die Messung des Augeninnendruckes und die Graue-Star-Beratung. So ergaben sich auch interessante Kooperationen mit diversen Fachverbänden sowie mit regionalen und überregionalen allgemeinbildenden Schulen.


Der Gedanke der Ganzheit findet sich auch in der Nachhaltigkeit wieder. So bezieht das Unternehmen Ökostrom und hat seine Beleuchtung weitestgehend auf LED umgestellt.


Durch den Bereich Uhren und Schmuck ist und bleibt Unternehmen SIBO Müller modebewußt und die Zusammenarbeit mit 1.500 Betrieben in zwei Einkaufsverbünden ergibt ein Angebot immer topaktueller Markenlabels, wie z.B. Ray Ban, S`Oliver oder Fossil.